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<title>Form (Kunst)</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Form (Kunst)</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Der Begriff <b>Form</b> (lat. <i>forma</i>) bezeichnet im Allgemeinen die äußere Gestalt realer Objekte. Die Bedeutung entsteht in Verbindung mit dem griechischen Begriff <a href="Eidos" title="Eidos">Eidos</a>, der die endliche Ausgestaltung von <a href="Materie" title="Materie">Materie</a> oder auch Form bedeutet.
</p><p>In der Kunst gibt es verschiedene Möglichkeiten zwischen verschiedenen (Erscheinungs-)Formen zu unterscheiden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verschiedene_Formen">Verschiedene Formen</h2></div>
<p>Durch die Form werden die Erscheinungsbilder von realen Objekten bezeichnet, wobei man dabei in zwischen der natürlichen, der künstliche und der künstlerischen Form unterscheidet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Natürliche_Form"><span id="Nat.C3.BCrliche_Form"></span>Natürliche Form</h3></div>
<p>Formen die in der <a href="Natur" title="Natur">Natur</a> ohne Einwirkung von Menschen entstehen, werden als natürliche Formen bezeichnet. Es handelt sich dabei um organische Körper, wie z. B. <a href="Pflanze" title="Pflanze">Pflanzen</a> o. <a href="Tier" title="Tier">Tiere</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Künstliche_Form"><span id="K.C3.BCnstliche_Form"></span>Künstliche Form</h3></div>
<p>Künstliche Formen sind Formen, die unter Einwirkung von Menschen entstehen. Es handelt sich meistens um geometrische Körper und Gegenstände. Beispiel dafür wären Autos, Schreibtischlampen, Kochtöpfe, Häuser etc.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Künstlerische_Form"><span id="K.C3.BCnstlerische_Form"></span>Künstlerische Form</h3></div>
<p>Darunter versteht man Formen der <a href="Bildende_Kunst" title="Bildende Kunst">bildenden Kunst</a>, die aus einem kreativen Gestaltungsprozess hervorgehen. Beispiel dafür wären Skulpturen oder Gemälde. Auch künstliche Formen und natürliche Formen können durch Bearbeitung so verändert werden, dass sich die Form zur künstlerischen Form ändert.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Gestaltungsmerkmale_der_künstlerischen_Form"><span id="Gestaltungsmerkmale_der_k.C3.BCnstlerischen_Form"></span>Gestaltungsmerkmale der künstlerischen Form</h3></div>
<p>Die Ergebnisse, die aus einem kreativen Prozess hervorgehen, haben eine künstlerische Form. Um zwischen den einzelnen Produkten zu unterscheiden, werden sie nach dem Grad der Realität beschrieben:
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="1._Extrem_hoher_Grad_der_Nachahmung">1. Extrem hoher Grad der Nachahmung</h4></div>
<p>Die Objekte, die abgebildet sind, wirken nicht wie gemalt, sondern als wären sie real. Die Gegenstände sind so detailgetreu dargestellt, dass man die Realität nicht mehr von der <a href="Malerei" title="Malerei">Malerei</a> unterscheiden kann. Das liegt vor allem daran, dass kaum Spuren der Malerei erkennbar sind. Der <a href="Naturalismus_(bildende_Kunst)" class="mw-redirect" title="Naturalismus (bildende Kunst)">Naturalismus</a> fällt unter diesen Grad der Nachahmung.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="2._Hoher_Grad_der_Nachahmung">2. Hoher Grad der Nachahmung</h4></div>
<p>Malspuren sind hierbei sichtbar, weshalb die Abbildung nicht augentäuschend wirkt. Trotzdem erscheint das Abgebildete wirklichkeitsgetreu und hat mit etwas Abstand zum Bild eine realistische Wirkung. Die Malerei wird hierbei mehr in den Vordergrund gestellt. Realistische Darstellungen fallen unter diesen Grad der Nachahmung.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="3._Mittlerer_Grad_der_Nachahmung">3. Mittlerer Grad der Nachahmung</h4></div>
<p>Die Natur dient als Vorbild, wird jedoch nicht eins zu eins übernommen. Die Gesamtwirkung zählt, weshalb die Detailtreue an Wichtigkeit verliert. Durch elegante Verwendung von Farbmischung und Licht-Schatten-Spiel, wird der Eindruck von bestimmten Gegenständen erzeugt. Unter diesen Grad der Nachahmung fallen zum Beispiel Kunstwerke des <a href="Impressionismus" title="Impressionismus">Impressionismus</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="4._Niedriger_Grad_der_Nachahmung">4. Niedriger Grad der Nachahmung</h4></div>
<p>Der Künstler schafft durch individuelle Veränderung in Farbe und Form einen besonderen künstlerischen Ausdruck. Die Naturtreue rückt in den Hintergrund und Wirklichkeitsbezüge sind nur noch entfernt erkennbar. Beispielhaft lässt sich dieser Grad der Nachahmung im <a href="Kubismus" title="Kubismus">Kubismus</a> erkennen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="5._freie_künstlerische_Form"><span id="5._freie_k.C3.BCnstlerische_Form"></span>5. freie künstlerische Form</h4></div>
<p>Es sind keine Wirklichkeitsbezüge für den Betrachter erkennbar. Farbe, Licht und Schatten scheinen losgelöst, wodurch der Eigenwert der Kunst zum Vorschein kommt. Naturtreue spielt keine Rolle mehr, wohingegen auf Komposition und Struktur das Augenmerkgerichtet wird. Bilder der <a href="Abstrakte_Malerei" title="Abstrakte Malerei">abstrakten Malerei</a> zählen zur freien künstlerischen Form.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bildende_Kunst">Bildende Kunst</h2></div>
<p>In der <a href="Bildende_Kunst" title="Bildende Kunst">bildenden Kunst</a> kann die Form nicht losgelöst von der Materie sowie von Inhalt und Ausdruck gesehen werden. Dabei ist zwischen den Formwahrnehmungen der Wirklichkeit und den Formdarstellungen auf Grund der künstlerischen Tätigkeit zu unterscheiden. 1893 unterschied der Bildhauer <a href="Adolf_von_Hildebrand" title="Adolf von Hildebrand">Adolf von Hildebrand</a> in seinem Aufsatz <i>Das Problem der Form in der bildenden Kunst</i> zwischen der Daseinsform (physikalischen Form von Gegenständen), der Wirkungsform (Erscheinungsweise von Gegenständen) und der Vorstellungsform (die aus dem Verhältnis aus Daseins- und Wirkungsform gewonnenen künstlerischen Werkform). Diese Werkformen sind an materiellen Substanzen gebunden (<a href="%C3%96lmalerei" title="Ölmalerei">Ölbild</a>, <a href="Aquarell" title="Aquarell">Aquarellbild</a>) und sind aufgrund psychologischer Wirkungen niemals Inhaltsfrei zu sehen.<sup id="cite_ref-Meyers185_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-Meyers185-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Form_und_Inhalt">Form und Inhalt</h2></div>
<p><i>Form und Inhalt</i> (Gestalt, Gehalt), ein seit dem 18. Jahrhundert wichtiges Begriffspaar in der <a href="%C3%84sthetik" title="Ästhetik">Ästhetik</a> sowie der Kunst- und Literaturbetrachtung,<sup id="cite_ref-Ritter975_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Ritter975-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> werden untrennbar aufeinander bezogen und sind <a href="Korrelation" title="Korrelation">Korrelate</a> ein und desselben Werks. Diese Entsprechung von Form und Inhalt ist für die Aussage und deren Qualität von ausschlaggebender Bedeutung. Solange der korrelative Zusammenhang bestehen bleibt, wird auch eine formale Bearbeitung der künstlerischen Aufgaben des Künstlers dem Werk gerecht und hat solange eine Berechtigung, wie der inhaltliche Anteil der vom Künstler geformten Formen von diesem noch gesehen wird. Interessieren aber nur noch die Formfragen alleine – würde also der Inhalt fehlen – kann durch „die verabsolutierte Formfrage die psychologische Grundkomponente negiert und eine Neigung zum <a href="%C3%84sthetizismus" title="Ästhetizismus">Ästhetizismus</a> erkennbar“<sup id="cite_ref-Meyers185_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-Meyers185-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> werden, wobei der <a href="Formalismus_(Kunstgeschichte)" title="Formalismus (Kunstgeschichte)">Formalismus</a> die Oberhand gewinnt, was wiederum ein solches Werk angreifbar machen würde.<sup id="cite_ref-Meyers185_1-2" class="reference"><a href="#cite_note-Meyers185-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Malerei">Malerei</h3></div>
<p>Um Kunst handelt es sich, wenn der inhaltliche Anteil, der Inhalt, in eine Gestalt gewandelt wird. Die Formgebung nun wird in der <a href="Malerei" title="Malerei">Malerei</a> seit <a href="Paul_C%C3%A9zanne" title="Paul Cézanne">Paul Cézanne</a> dem Motiv untergeordnet. Es kommt nicht mehr auf die Dinge an, sondern auf die Art, die Dinge zu sehen.<sup id="cite_ref-Ritter976_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-Ritter976-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Cézanne war der erste Künstler, der damit begann, Objekte in einfache geometrische Formen zu zerlegen. Er schrieb in seinem häufig zitierten Brief vom 15. April 1904 an den Maler und Kunsttheoretiker <a href="%C3%89mile_Bernard_(Maler)" title="Émile Bernard (Maler)">Émile Bernard</a>: „Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive, so daß jede Seite eines Objektes, einer Fläche nach einem zentralen Punkt führt […].“<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Abstrakte_Kunst">Abstrakte Kunst</h3></div>
<p>Innerhalb der <a href="Abstrakte_Kunst" title="Abstrakte Kunst">abstrakten Kunst</a>, somit auch der <a href="Abstrakte_Malerei" title="Abstrakte Malerei">abstrakten Malerei</a>, wird nicht mehr die Wiedergabe von Wirklichkeiten, sondern eine „im platonischen Begriffe ‚poetische‘ Kunst, die sich im geometrischen Ideogramm […] erfinderisch auslebt“, behandelt.<sup id="cite_ref-Ritter976z_5-0" class="reference"><a href="#cite_note-Ritter976z-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Nach <a href="Wassily_Kandinsky" title="Wassily Kandinsky">Wassily Kandinsky</a> bezeichnen abstrakte Formen keine realen Gegenstände mehr, sondern sind – wie die einfachen geometrischen Formen <a href="Platon" title="Platon">Platons</a> – abstrakte Wesen mit eigenem Leben in eigenem Bereich.<sup id="cite_ref-Ritter976k_6-0" class="reference"><a href="#cite_note-Ritter976k-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Musik">Musik</h3></div>
<p>Die Musik, die keinen Stoff, wohl aber Gehalt und Form besitzt, zieht ihre Kräfte aus den „Grundvorgängen psychischen Lebens“ und der „Zeitseele“.<sup id="cite_ref-Ritter976ku_7-0" class="reference"><a href="#cite_note-Ritter976ku-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Absolute Musik hat keine Gegenständlichkeit, „sie ist nur Kraft und deren Ausstrahlung in Klangstoff.“<sup id="cite_ref-Ritter976ku_7-1" class="reference"><a href="#cite_note-Ritter976ku-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Agnes Husslein-Arco / <a href="Alexander_Klee_(Kunsthistoriker)" title="Alexander Klee (Kunsthistoriker)">Alexander Klee</a>: <i>Kubismus, Konstruktivismus, Formkunst</i>, Wien 2016</li>
<li><a href="Joachim_Ritter" title="Joachim Ritter">Joachim Ritter</a>, <a href="Karlfried_Gr%C3%BCnder" title="Karlfried Gründer">Karlfried Gründer</a> (Hrsg.): <i><a href="Historisches_W%C3%B6rterbuch_der_Philosophie" title="Historisches Wörterbuch der Philosophie">Historisches Wörterbuch der Philosophie</a></i>, Schwabe & Co Ag, Basel 1972, ISBN 3-7965-0115-X (für Gesamtdruck), Bd. 2, 975-976</li>
<li>Redaktion für Kunst des Bibliographischen Instituts (Hrsg.): <i>Meyers kleines Lexikon. Kunst</i>. Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1986, ISBN 3-411-02655-3</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-Meyers185-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Meyers185_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Meyers185_1-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Meyers185_1-2">c</a></sup></span> <span class="reference-text">Redaktion für Kunst des Bibliographischen Instituts (Hrsg.): <i>Meyers kleines Lexikon. Kunst</i>. Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1986, S. 185.</span>
</li>
<li id="cite_note-Ritter975-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Ritter975_2-0">↑</a></span> <span class="reference-text">R. Schwinger: <i>Form und Inhalt</i>, in Jochim Ritter/Karlfried Gründer (Hrsg.): <i>Historisches Wörterbuch der Philosophie</i>, Band 2. Schwabe & Co Ag, Basel 1972, S. 975.</span>
</li>
<li id="cite_note-Ritter976-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Ritter976_3-0">↑</a></span> <span class="reference-text">R. Schwinger: <i>Form und Inhalt</i>, in Jochim Ritter/Karlfried Gründer (Hrsg.): <i>Historisches Wörterbuch der Philosophie</i>, Basel 1972, S. 976.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Götz Adriani: <i>Cézanne – Leben und Werk</i>, S. 47 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-Ritter976z-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Ritter976z_5-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Leopold_Ziegler" title="Leopold Ziegler">Leopold Ziegler</a>, zitiert nach Joachim Ritter/Karlfried Gründer (Hrsg.), S. 976.</span>
</li>
<li id="cite_note-Ritter976k-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Ritter976k_6-0">↑</a></span> <span class="reference-text">Wassily Kandinsky: <i>Über das Geistige in der Kunst</i>, nach R. Schwinger: <i>Form und Inhalt</i>, in Jochim Ritter/Karlfried Gründer (Hrsg.), S. 976.</span>
</li>
<li id="cite_note-Ritter976ku-7"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Ritter976ku_7-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Ritter976ku_7-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text"><a href="Ernst_Kurth_(Musikwissenschaftler)" title="Ernst Kurth (Musikwissenschaftler)">Ernst Kurth</a>, zitiert nach R. Schwinger: <i>Form und Inhalt</i>, in Jochim Ritter/Karlfried Gründer (Hrsg.), S. 976.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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